| Artikel
vom Beobachter über "Kampfhunde"
Wohnen
Angst vor Kampfhund
Text: Verena Walther
Wir wohnen mit unseren kleinen Kindern in einem Mietshaus.
Seit längerem ängstigt uns ein Kampfhund, den ein Nachbar
hält.
Oft führt dessen elfjähriger Sohn das Tier aus.
Wir bezweifeln, dass er die Kraft hat, dem Hund den Meister zu zeigen.
Wir haben Angst um unsere Kinder. Was können wir tun?
Es gibt Verpflichtungen, deren Einhaltung jeder Hundehalter –
nicht nur von Kampfhunderassen – garantieren muss. Das Institut
für interdisziplinäre Erforschung der Mensch-Tier-Beziehung
(IEMT) hat die Heimtierhaltung ausführlich geregelt.
Der Hauseigentümer- und der Mieterverband haben diese Vereinbarung
offiziell anerkannt und empfehlen sie Mietern und Vermietern.
Das IEMT fasst zusammen:
Der Mieter ist dafür besorgt, dass sein Hund die Sicherheit
der übrigen Mieter nicht gefährdet.
Er führt seinen Hund in Treppenhaus, Lift, Waschküche,
Keller, Tiefgarage ausnahmslos an der Leine.
Der Mieter nimmt Rücksicht auf Nachbarn, die Hunde nicht besonders
mögen. Etwa durch guten Gehorsam des Tieres, Leinenkontrolle
und nicht zu viel Gebell.
Eine heimtiergerechte Haltung ist selbstverständlich.
Ein Hund benötigt zum Beispiel drei- bis viermal täglich
ausreichend Zeit für Bewegung.
Der Mieter beseitigt die vom Hund verursachte Verunreinigung.
Kräftige Hunde dürfen nicht von Kindern ausgeführt
werden, weil sie diese nicht in jeder Situation im Griff haben können.
Jeder Halter eines Kampfhundes muss damit rechnen, dass andere Angst
haben vor dem Tier, und hat deshalb besonders Rücksicht zu
nehmen.
Ob das Tier tatsächlich gefährlich ist, spielt dabei keine
Rolle: Allein die begründete Angst vor einem Hund kann für
Mieter einen mietrechtlichen Mangel darstellen, den der Vermieter
zu beseitigen hat.
Mit berechtigten Beschwerden können sich Mieter an den Vermieter
wenden.
Dieser kann vom Hundehalter verlangen, dass er die Tierhaltung innert
Wochenfrist ändert.
Leistet der Halter der Forderung auch nach einer zweiten Mahnung
keine Folge, kann der Vermieter die Beseitigung des Tieres verlangen
oder den Mietvertrag kündigen.
Meine per E-Mail sofort an den Chefredaktor
des BEOBACHTER geschickte Miteilung vom 23. Dezember 2005, 19.25
Uhr:
Sehr geehrter Herr Hosang und sehr geehrte Frau Walther
Mit Entsetzen habe ich Ihren höchst fragwürdigen Artikel
"Angst vor Kampfunden" im Heft 26/2005 gelesen, begibt
sich doch Frau Walther auf das Niveau der Boulevard-Presse! Das
habe ich als langjähriger Abonnent von Ihnen nicht erwartet!
Erlauben Sie, dass ich als Hundetrainer und Besitzer einer erfolgreichen
Hundeschule (siehe www.ohps.ch) weiss, dass es keine Kampfhunde
gibt, sondern nur pervertierte Menschen, die ihre Hunde zur Waffe
umfunktionieren. Was Sie in Ihrem Artikel unterstützen ist
eine wissenschaftlich unhaltbare Hunderassen-Diskriminierung und
zur Zeit äusserst populäre "Kriminalisierung"
deren Besitzer - denn über 95% wissen mit ihrem Hund umzugehen
und besuchen auch die äussert wichtigen Welpenspielstunden
und weiterführende Hundekurse. Auch wir wissen, dass Milieugänger
keine Hundeschulen besuchen - das bisherige Gesetz hätte übrigens
genügend Möglichkeiten aufgewiesen, um den tragischen
Unfall zu verhindern. Mitschuldig sind in meinen Augen übrigens
der untätig gebliebene Zoll, die Behörden und die Polizei,
die entsprechende Klagen nie ernst genommen haben! Doch darüber
will niemand in den Medien berichten - leider auch Sie nicht, die
sich sonst mutig zu unpopulären Berichterstattungen aufschwingen
(wo bleibt Ihre propagierte Courage?). - Das Mindeste wäre
es gewesen, wenn Sie den Titel Kampfhunde in Anführungszeichen
gesetzt hätten. Selbstverständlich kann ein elfjähriger
Knabe mit entsprechender Ausbildung einen "Kampfhund"
spazieren führen. Kein Nachfragen, um welche Rasse es sich
handelte. Kein Rat, sich mit dem Hundebesitzer zusammen zu setzen,
um dem Problem Herr zu werden. Ihren Artikel muss ich als äusserst
unsachlich taxieren, kündige deshalb ab sofort mein Abo bei
Ihnen und werde Ihren Artikel nicht nur auf meiner Homepage wiedergeben,
sonder auch entsprechend kommentieren. Ich nehme an, dass einige
weitere Abonnenten mit Hunden meinem Schritt folgen werden.
Ihrer baldigen und persönlichen Stellungsname sehe ich mit
Interesse entgegen.
Mit vorzüglicher Hochachtung
Oskar F. Stahel
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Antwort
von Frau Michèle Weingartner Assistentin der Chefredaktion
Sehr geehrter Herr Stahel
Ich danke Ihnen herzlich für Ihre offene und differenzierte
Kritik an unserer Berichterstattung. Dass der Beobachter-Ratgeber-Artikel
„Wohnen - Angst vor Kampfhund“ Ihre Aufmerksamkeit gefunden
hat, freut uns. Zuschriften aus unserem Leserkreis bringen wertvolle
Anregungen für unsere Arbeit.
Ihr Schreiben haben wir der zuständigen Redaktorin wie auch
unserer Chefredaktion als Vorschlag für einen Folgeartikel
weitergeleitet. Sollten wir die von Ihnen angeregte Thematik aufgreifen,
würden wir uns erlauben, mit Ihnen Kontakt aufzunehmen. Feste
Versprechungen können wir Ihnen allerdings nicht machen, da
wir sehr viele Zuschriften erhalten und deshalb zu einer Auswahl
gezwungen sind, der auch geeignete Beiträge zum Opfer fallen.
Der Beobachter behält auch in Zukunft den Mut zum eigenen Weg.
Dazu gehört auch der Mut, mal kantig zu sein oder sich bei
einem Teil der Leserschaft unbeliebt zu machen. Ich kann Ihnen versichern,
dass wir auch innerhalb der Redaktion über Themen oft heftig
debattieren und geteilter Meinung sind. Diskussionsstoff und Diskussionsbereitschaft
gehören allerdings nach unserer Auffassung zu einer offenen
und toleranten Gesellschaft.
Wohl unnötig zu sagen, dass wir nur sehr ungern langjährige
Abonnenten wie Sie verlieren. Wir danken für Ihre Treue zum
Beobachter und akzeptieren mit Bedauern Ihren Entscheid, das Abonnement
per Vertragsende (30.09.2006) zu kündigen.
Wir wünschen Ihnen und Ihrer Familie ein glückliches Jahr
2006 und grüssen Sie freundlich
Michèle Weingartner
Assistentin der Chefredaktion
Meine Antwort
Sehr geehrte Frau Weingartner
Ich nehme Bezug auf Ihre heutige Antwort auf meine Stellungsnahme
betr. "Angst vor Kampfhund". Ich möchte mich in meiner
Antwort kurz fassen:
1.) Ihre Antwort geht in keiner Weise auf den Inhalt meiner Stellungsnahme
ein, also muss ich davon ausgehen, dass Ihrerseits jede ernsthafte
Bereitschaft fehlt, sich selbst einer kritischen Diskussionskultur
zu unterziehen.
2.) Wir werden diese Angelegenheit demzufolge auf unserer Homepage
publik machen (natürlich mit Ihrer unten wiedergegebenen Antwort
und meiner Entgegnung).
3.) Ich darf Ihnen miteilen, dass mir bereits von einigen betroffenen
Hunderassen-Haltern (inkl. Präsidium) mitgeteilt wurde, ebenfalls
die Abos aufzukündigen. Vergessen Sie bitte nicht, dass es
in der Schweiz ungefähr eine halbe Million Hunde gibt, unter
deren Besitzer es zweifellos auch viele BEOBACHTER-Leser hat. Diese
verdienen eine sachliche Stellungsnahme in dieser Zeit, wo viele
Hundebesitzer - und nicht nur von den betroffenen Rassen, sondern
auch von harmlosen Familienbegleithunden, Kleinhunden oder Welpen!
- tagtäglich beschimpft werden.
4.) Es ist selbstverständlich Ihre Entscheidung, ob Sie die
angeregte Thematik zusammen mit kompetenten Fachleuten sachlich
erörtern wollen, oder ob Sie meine Entgegnungen unter den Tisch
kehren. Ich hoffe aber der Sache zu liebe, dass - wie Sie selbst
in Ihrem Mail erwähnten - innerhalb der BEOBACHTER-Redaktion
nochmals über Ihren Ratgeber-Artikel ernsthaft, offen und mit
Courage diskutiert wird.
Mit vorzüglicher Hochachtung
Oskar F. Stahel
Courage oder Blamage?
Ich war sehr gespannt, ob Balz Hosang, der BEOBACHTER-Chefredakteur,
oder die Verfasserin des von mir kritisierten Artikels, Frau Verena
Walther, irgend einmal Stellung beziehen resp. das Gespräch
mit mir suchen würden. Was ich bereits früher in einer
meiner Entgegnungen voraussah, trat ein, nämlich bis zum 7.
Januar 2006 keine Reaktion seitens der Redaktion. Das Thema ist
entweder für den BEOBACHTER nicht mehr aktuell oder zu heiss.
Meine Entgegnungen wurden nicht einmal unter der Rubrik „Leserbriefe“
wiedergegeben. Blamabel? Kommentar unnötig! – Anders
das MIGROS-MAGAZIN: Im Magazin Nr. 1 vom 3. Januar 2006 wird auf
den Seiten 60/61 ausführlich unter dem Titel „Bissgefahr“
berichtet, wie in Klotens Kindergärten die Kinder lernen, wie
mit Hunden und mit allfällig potenziellen Gefahren umzugehen
ist. Hervorgehoben wird in einer Zusammenfassung was Kinder über
den Umgang mit Hunden wissen müssen. Ich zitiere die Autorin:
„In der Turnhalle hört man das Wort „Kampfhunde“
allerdings kein einziges Mal. Jedem Hund, so lernen die Knirpse,
soll mit Vorsicht und Respekt begegnet werden“. Mein Kommentar:
Objektiv, sachlich und lehrreich, ohne jegliche Polemik gegen die
sog. „Kampfhunde“. Meine Beurteilung (analog BEOBACHTER-Beurteilung):
Courage.
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