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Kangal-Hunde haben es schwer in der Schweiz. Meist von Türken aus der Türkei herausgeschmuggelt oder in Deutschland bei einem der wenigen Kangal-Züchtern gekauft, merkt der Halter bald, dass die Haltung dieses Herdenschutzhundes aus Anatolien nicht einfach ist – ich behaupte gar, dass nur einer auf tausend Hundehalter mit einem Kangal glücklich wird. Deshalb erstaunt es mich nicht, dass die meisten Kangals in Mitteleuropa früher oder später in einem Tierheim landen, wo sie – da schwer wieder vermittelbar – irgendeinmal getötet werden – denn ihr Futter und ihr Platz kosten Geld.
CARLA entging Gott-sei-Dank diesem Schicksal. Sie traf auf ein Paar, das nach einigem Bedenken und externer Hilfe heute die Hündin um keinen Preis mehr zurückgeben würde. Sogar ein neues Haus, ein alter Bauerhof mit grossem Umschwung, musste her. Da können CEYLAN, meine Kangal-Dame, und ich CARLA nur noch beneiden.
Doch beginnen wir am Anfang: Im Frühling 2007 beschaffte sich ein türkischer Geschäftsmann via Internet in Deutschland einen weiblichen Kangal-Welpen, den er KANKA nannte – was übersetzt „Kumpel“ heisst. Mitte April – der Welpe war 2 Monat alt – kam er durch Vermittlung eines türkischen Bekannten, der meine Hundeschule kannte und von meinen Erfahrungen mit türkischen Herdenschutzhunden wusste, zu mir und absolvierte mit viel Engagement die zehnwöchige Welpenschule samt den dazugehörenden Spielstunden. KANKA entwickelte sich prächtig – wir alle waren stolz auf ihre Fortschritte und ihr untadeliges Sozialverhalten. Auf einmal wurde es still um das türkische Hunde-Team. Als ich der Sache nachging, erfuhr ich, dass der Hund aus familiären Gründen in das Tierheim von Madga Muhmenthaler in Räterschen ZH verbracht worden war. Ich besuchte ihn dort sofort und durfte zu meiner Freude feststellen, dass Magda dem Kangal für ein Tierheim optimale Bedingungen bot, so viel Auslauf, Kontakt zu Menschen und Gruppenhaltung mit ähnlich grossen Hunden, wo sie sich prächtig integriert hatte. KANKA war zweifellos vermittelbar. Also bot ich meine Hilfe beim Suchen eines neuen Besitzers an, der die wichtigsten Bedürfnisse eines Herdenschutzhundes erfüllen sollte. Was ich befürchtete geschah. Zweimal wurde der Hund probeweise platziert – und beide Male kam er zurück. Ich bekam es mit der Angst zu tun. KANKA sollte nicht den Weg der meisten Kangals gehen! Madga versprach mir, dass sie die Hündin nie töten würde. Danke Madga! Du hast wirklich ein grosses Herz für Tiere! Auch für schwer Vermittelbare.
Eines Tages besuchte ein nettes, aufgestelltes Paar das Tierheim auf der Suche nach einem kleinen Hund für die zierliche Dame namens Astrid, die selbstständig in der Werbung tätig ist. Ihr Lebenspartner Thomas, ein erfolgreicher Schreiner der gehobenen Klasse – er war sogar einmal in der Schweizer Botschaft in Washington kreativ tätig – sah die Kangal-Hündin und verknallte sich auf der Stelle in sie, sehr zum Erschrecken seiner geliebten Astrid. Gute zwei Wochen lang prüfte man alle Aspekte (auch ich wurde Rat gebend zugezogen). Dann wollte man es probieren. Man nahm die Hündin mit nach Hause.
Der Anfang war nicht leicht. Die drei mussten sich aneinander gewöhnen. Es musste klar gemacht werden, wer der Boss ist – und dies möglichst immer. Das Paar kam regelmässig zu mir in die Einzel- und Plauschstunden. Zusätzlich wurde eine weitere erfahrene Hundetrainerin, Angelika Sandmeier aus Fahrwangen*, zugezogen. Die Hündin entwickelte sich prächtig, die gegenseitige Liebe vertiefte sich, und – wie hiess es so schön im Märchen? – sie alle Drei leben glücklich bis zum Lebensende. Danke Astrid, danke Thomas – ihr habt einen tollen Job gemacht. Ihr gehört ganz sicher zu den seltenen aussergewöhnlichen Hundehaltern, die einem Kangal gerecht werden.
* Weitere Infos siehe www.hundeschule-anin.ch
Im März 2009
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