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Erfreuliches und Unerfreuliches

wald2

Entspanntes Sozialverhalten wird bei mir gross geschrieben
und kommt vor „militärischem Drill“

Hundeunfälle, Hundeerziehung und die Medien

In den letzten Wochen und Monaten war die Hundeerziehung ein heisses Thema in den Medien, und es wurde auch unter Hundebesitzern heftig diskutiert. Sowohl die Printmedien wie die Fernsehanstalten taten sich mit mehr oder weniger professionellen Berichterstattungen hervor. Das Meiste hat mir missfallen und motiviert mich, hier in eigener Sache Stellung zu beziehen.

Sinnlose neue Gesetze und Verordnungen!

Begonnen hat alles mit dem tödlichen Unfall in Oberglatt, wo „Amstaffs“ einen türkischen Knaben anfielen und zu Tode bissen. So schrecklich dieser Fall war – mein tiefstes Mitleid gehört den betroffenen Eltern – so missfällt mir anderseits, dass einmal mehr alle Schuld auf die sog. „Kampfhunde“ fokussiert wurde und dass sich die Medien und Politiker gegenseitig im Fordern neuer Hundegesetze hervortaten. Dabei muss festgehalten werden, dass die bisherigen Gesetze und Verordnungen genügend Handhabe bieten, um Unfälle und artfremde Haltung zu verhindern, neue Regelungen also nicht zwingend sind. Ich möchte festhalten, dass Polizei und Behörden im Fall Oberglatt schlichtweg versagt haben, denn sie hatten genügend Grund einzuschreiten und somit die Gefahr zu bannen. Doch wer spricht darüber? Ist eine unterlassene Amtshandlung mit Todesfolge nicht zum Mindesten Grund für eine breite, rückhaltlose Diskussion und entsprechende interne Massnahmen? Ich kann mich nicht erinnern, dass dies irgendwo geschah. Nein – es ist viel einfacher, dass Problem auszusitzen. Besonders betroffen bin ich, dass der schuldige Hundebesitzer bereits wieder auf freiem Fuss ist. Ist ein Menschenleben - insbesondere das eines Kindes - nicht mehr wert? Fragen, die alle ernsthaften Hundebesitzer beschäftigen.

Die neuen, angekündigten Verordnungen aus Bund und Kantonen wollen nun neben verschärften Auflagen auch neue Prüfungen für alle Personen einführen, die ab 1. September 2008 sich einen Hund zulegen. Niemand bezweifelt ernsthaft, dass bei einer überwältigenden Mehrheit von Hundehaltern das entsprechende Wissen ungenügend ist, Weiterbildungskurse also sinnvoll sind. Doch folgende zwingenden Fragen stelle ich mir in diesem Kontext:

Wieso muss ein Hundebesitzer, der vielleicht seit Jahren mehrere Hunde besass, bei der Anschaffung eines neuen Hundes ebenfalls einen Kurs besuchen? Diese Regelung soll meines Wissens auch für Hundezüchter und Hundetrainer gelten! Für alle?



Kangals

Studium des Sozialverhaltens bei Herdenschutzhunden
(Trumler-Foschungsstation Wolfswinke/BRD, 2006)


Wer soll diese obligatorischen Hundekurse geben? Wirklich nur die SKG oder der Schweizer Tierschutz STS, die sich lange Zeit um klare Stellungnahmen drückten? Ich vermute schwer, dass der damit verbundene Geldregen für die Kursgeber bei diesem Engagement ausschlaggebend war. Private Hundeschulen, die sich – so wie meine –  seit Jahren primär um eine artgerechte und sozialkompetente Hundeausbildung kümmerten, sollen ausgeschlossen werden. Wer soll kompetent und autorisiert sein, meine Eignung, mein Wissensstand bezüglich Kynologie zu prüfen – den ich regelmässig durch die Teilnahme an internationalen Fachveranstaltungen vertiefe oder selbst als Referent auftrete - und taxiert abschliessend meine Hundeschule bezüglich den Auflagen der neuen Gesetzgebungen? Der Bund, die Kantone oder die erwähnten privaten Institutionen, die selber an den grossen Futtertrog wollen? Das Resultat lässt sich leicht voraussagen. Werde ich deshalb arbeitslos und darf meinen Laden schliessen? Kaum – da bin ich sehr zuversichtlich, denn sonst werde ich den Rechtsweg beschreiten.

Bernhardiener

Internationales Weiterbildungsseminar für Tierärzte und Hundetrainer über Verhaltensgestörte Hunde.
BRD, 2006


Wie kann man eine ältere, alleinstehende und vielleicht nicht mehr quicklebendige Dame, die sich einen kleinen Hund als Partner wünscht, motivieren, 15 Hundeschul-Lektionen zu absolvieren? Sie wird sich in den meisten Fällen überfordert fühlen, an einem derartigen Kurs teilzunehmen. Besonders dann, wenn in der Gruppe alle Altersklassen und Hunderassen unterrichtet werden. Ich sehe schwarz – nein tiefschwarz. Die Dame wird wahrscheinlich in diesem Falle auf die Anschaffung eines Hundes verzichten. Die Folge: Wir werden bald übervolle Tierheime haben, so dass diese sich ausserstande sehen, neue Hunde in Not aufzunehmen. Die Dame wird ohne einen geeigneten Sozialpartner – was der Hund zweifellos sein kann – an Lebensqualität Einbusse erleiden. Wer von den Verantwortlichen hat  hier an die therapeutische Wirkung beim Mensch-Hund-Team gedacht? Die Krankenkassen müssten sich eigentlich bereits jetzt wehren, denn mit dem Hündchen der alten Dame hätten sie zweifellos einiges an Kosten gespart. Hier wird kurzsichtig das Kind mit dem Bad ausgeschüttet! Und dies, weil in Oberglatt - aber auch in andern Orten im Glatttal, wo sich der italienische „Kampfhunde“-Besitzer unbehelligt in aller Öffentlichkeit zeigte - die Behörden und gemäss Zeugen die Polizei nicht rechtzeitig eingriffen! Kopfschütteln ist angebracht.

Wald

 

 
 

    Das liebe Schweizer Fernsehen

    Hund & Kind

    Kinder und Hunde – eine dankbare und verantwortungsvolle Aufgabe für Halter und Trainer (Seminar OHPS)

    Klar ist, dass Fernseh-Sendungen mit und über Hunde auf grosses Interesse und damit grosse Einschaltquoten stossen. Doch wenig überzeugend war für ernsthafte und seriöse Hundehalter und Hundetrainer das Dargebotene. Zweifellos den Vogel abgeschossen hat das Schweizer Fernsehen, wo der selbsternannte Hundeflüsterer und Hundecoach Heini Meier ungestraft Gewalt am Hund zeigen durfte. Wenn ich die Leitlinien des Fernsehens durchlese, muss ich mehrfaches Missachten dieser Zielsetzungen feststellen. Hier ist eine Strafanzeige unumgänglich und wird auch von mir mittragen. Es geht nicht, dassheikle Fernseh-Berichte nicht vor dem Aussenden von wirklich kompetenten Hundesachverständigen – und die gibt es wirklich auch in genügender Anzahl – begutachtet und frei gegeben werden. Dafür müsste der verantwortliche Chefredakteur sorgen. Tut er dies nicht, missachtet er seinen Job und macht sich m. E. mitschuldig.

    Moderatoren und Redaktoren können nicht alles wissen. Doch bei so heissen Themen wie aktuelle Hundefragen ist dringend mehr Sachverstand und Sorgfalt notwenig, denn diese Sendungen werden von Zehntausenden Konzessionszahlenden angeschaut und machen (leider) Schule. Ein typisches Beispiel war die CLUB-Sendung vom 27. Mai unter dem Moderator Matthias Aebischer. Was da diskutiert wurde, kann man von wenigen Ausnahmen abgesehen vergessen. Gott sei Dank hat Frau Berlowitz kompetent und ruhig gegengesteuert, wenn Heini Meier, der selbsternannte Hundefachmann mit über 32'000 (!) therapierten Hunden ausfällig oder selbstgefällig für seine Erziehungsmethoden Reklame machen durfte. Auflockernd und sympathisch war Frank Baumann mit seinem Hund, der u.a. auf Bundesratstimmen reagierte und in der Zwischenzeit seinen Meister anhimmelte und damit die Hund-Mensch-Kommunikation auf wunderschöne Weise demonstrierte. Obwohl sich der Entertainer mehrmals als nicht kompetent bezeichnete, waren seine Beiträge fundierter als die von den andern Hundesachverständigern. Dazu muss ich leider auch Andreas Moser miteinbeziehen, der mich erstmals etwas enttäuschte. Sein Hunde-Fachwissen zeigte leider einige gravierende Lücken. Man kann leider nicht über auf dem letzten Wissensstand sein.

    Jedem Hunde-Sachverständigen - und zu diesen zähle ich mich weiterhin - ist klar, dass schnelle Hilfe für Besitzer von „Problemhunden“ – auch wenn der Hundeflüsterer HH das als vordergründig immer wieder und wieder anführt und er so zweifellos sein Einkommen sichern will – bis auf ein paar wenige Situationen schlichtweg unrealistisch ist. Da die Ursachen vielseitig und oft hintergründig sind, wird sich jeder ernsthafte Hundefachmann weigern, dies dem Hundehalter vorschnell zu versprechen. Mit einem solchen Auftreten  in den Medien schaden wir allen Beteiligten - der Bericht über den bellenden Hund, der erfolglos von HH umkonditioniert werden sollte - war in der SF-Sendung leider kein Grund für ein ernsthaftes Hinterfragen des Gezeigten! Ein oder zwei Sätze der wenig überzeugenden Moderatorin an die Adresse von HH mussten genügen. Ich erwartete an dieser Stelle ein klares Statement, das ich auch per Mail vor der letzten Hundesendung verlangte. Bis heute ist mir unbekannt, ob sich das Schweizer Fernsehen für seinen gravierenden Lapsus betreffs Gewaltdarstellung in der Öffentlichkeit offiziell entschuldigte. Will man nun auf einen richterlichen Entscheid warten? Wo bleibt die Sachlichkeit und Verantwortung, die in den Leitlinien festgehalten sind?

    Bezeichnend ist auch, dass das Schweizer Fernsehen bereits früher mit mir telefonisch Kontakt suchte und einer seiner Moderatoren mit mir an der Hunde-Messe 2007 ins Gespräch kam. Als man feststellte, dass meine Ansichten offenbar nicht mit dem Drehbuch der geplanten Fernsehsendungen in Einklang standen, hat man meine Meinung ignoriert und den Kontakt abgebrochen. Soll ich jetzt beleidigt sein und glauben, mit meiner Einstellung zu Hundefragen auf dem falschen Dampfer zu sein? Mitnichten - Weitermachen ist dringend angesagt.

    Seriöser ist hier der Privatsender TeleZüri, der mich immer wieder kontaktiert und meine Meinung zur Sache wissen will, um sie gelegentlich in die Diskussion einzubringen. Hier wird offenbar versucht, trotz Zeitdruck die verschiedensten Aspekte herauszuarbeiten. Mein voller Respekt und Dank gehört TeleZüri und seinen kritischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern! Weiter so!

    Waldweg

    Begegnung zweier Kangals (Toskana 2007)

    Was können wir Hundehalter tun?

    Was können wir selbst tun, um uns generell gegen die Wildwüchse rund um den Hund zu wehren? Wir Hundehalter müssen uns bemühen, möglichst positiv aufzufallen und ruhig zu bleiben, wenn selbsternannte Hundesachverständige uns belehren wollen. Dass dies in den heutiger Zeit schwer fällt, weiss ich aus eigner Erfahrungen. Doch die pausenlose Beschimpfungen und Belehrungen von Nichthundehaltern an die Adresse der Hundehalter müssen ihre Grenzen finden. Auch wir haben ein Recht, mit unseren lieben Vierbeinern artgerecht umzugehen und sie „Hunde-Sein“ zu lassen. Hunde brauchen u.a. den täglichen Freilauf. Artgerechte Tierhaltung ist übrigens – nicht nur für Nutztiere, sondern auch für Haustiere - gesetzlich festgehalten und muss nötigenfalls vor Gericht erkämpft werden. Und wenn dieser Weg bis an den Europäischen Gerichtshof in Strassburg führt.

    Ich werde mich weiterhin für die Hunde voll und aus ganzem Herzen einsetzen. Tiere können sich nicht wehren – also müssen wir diese Aufgabe stellvertretend übernehmen.

    Obwohl ich nie 32'000 Hunde therapiert oder erzogen habe (vielleicht sind es bei mir 1-2 Prozent von den angegebenen HH-Zahlen) werde ich auch in Zukunft mich mit Sorgfalt, Geduld und bestem Wissen und Gewissen bei Problemfällen rund um den Hund um eine gewaltlose Lösung bemühen. Darüber werde ich später auf meiner Homepage www.ohps.ch ausführlicher berichten.

    Herrn Meier wünsche ich weniger Selbstgefälligkeit gegenüber Andersdenkenden und mehr Respekt und Demut gegenüber allen Hunden, die ebenfalls aus Körper, Geist und Seele bestehen. Dies meine ich ernst!

    Ich danke ihnen, wenn Sie meine Standpunkte teilen. Gerne erwarte ich Ihre Meinung (meine E-Mail-Adresse ist oskar_stahel@ohps.ch).

    Mein Motto bleibt weiterhin: Nie Gewalt gegen Hunde – weder physisch noch psychisch!

    Ihr Oskar F. Stahel
    OHPS Oskars Hundeplauschschule Wallisellen

    Wallisellen, 10. Juni 2008