|
|
Ferienbericht
Senj 23. - 30. Juli 2005
Authorin: Florence Akyol
Senj liegt an der nördlichen Adriaküste Kroatiens. Das hübsche
Hafenstädtchen zeichnet sich durch seine stürmische Vergangenheit
aus, in der die Römer, die Slawen, die Habsburger und die Osmanen die
wichtigsten Rollen spielten. Die geschichtliche Vielfalt widerspiegelt sich
nicht nur in den historischen Gemäuern, sondern bereits in der Speisekarte.
Unsere Feriengesellschaft umfasste neun Personen zwischen 12 und 69 Jahren
sowie sieben Hunde zwischen 7 Monaten und 4 Jahren. Die Frauchen und Herrchen
vertraten vier Nationen in reiner oder gemischter Form, während die
Meute der Vierbeiner aus fünf verschiedenen Rassenhunden und zwei Mischlingen
bestand. Trotz der sehr heterogenen Zusammensetzung sowohl der Gruppe der
Hundehalter wie auch der Meute war die Atomsphäre durchwegs harmonisch
und entspannt.
Training mit Hunden
Für das Training mit den Hunden stand uns im Hinterland von Senj ein
grosses Feld auf einer sonnigen Hochebene zur Verfügung. Eine Baumgruppe
spendete in einer Ecke des Feldes etwas Schatten. Unsere Hunde kamen täglich
in den Genuss von drei Stunden Training. Oskar, unser Hundetrainer, bot
ein abwechslungsreiches Programm.
- Theorie
Der Ablauf sah jeweils zu Beginn des Tages etwas Theorie über die
Kynologie vor. Themen wie Zucht, Haltung, Krankheiten oder Kastration
kamen zur Sprache.
- Unterordnung und Desensibilisierung
Mit verschiedenen Übungen versuchten wir, die Folgsamkeit unserer
Hunde zu verbessern. Damit die Hunde problemlos nebeneinander arbeiten
konnten, mussten wir auch der Desensibilisierung die nötige Aufmerksamkeit
schenken.
- Spiel
Oskar legte grossen Wert darauf, dass wir regelmässig mit den Hunden
spielten. Wir konnten wahlweise einen Kong, eine Beisswurst oder eine
Holzhantel benutzen.
- Apportieren
Aus dem Spiel heraus ergaben sich die Übungen zum Apportieren.
Sie waren für unsere Hunde ziemlich anspruchsvoll. Da diese aber
nicht dumm sind, apportierten sie ihr Spielzeug lieber in den Schatten,
als zu ihrem Frauchen oder Herrchen in der prallen Sonne auf dem Übungsgelände.
- Fährtensuche
Der Hund als Nasentier liebt die Fährtensuche. Wir legten zuerst
Wurstfährten, gingen dann über zu Schleppfährten und
bereiteten schliesslich eine Fährte quer durch einen kleinen Agility-Parcours
vor.
- Agility
Auf dem Agility-Parcours konnten nicht nur unsere Hunde ihr sportliches
Können unter Beweis stellen, sondern auch einige Hundehalter. Bestimmte
Geräte verlangten den Hunden ausser Sportlichkeit auch eine gute
Portion Mut ab.
- Pause
Besonders willkommen war bei uns Hundehaltern die Pause. Wir wurden
jeden Tag mit Mineralwasser, Kaffee und Kuchen verwöhnt.
Das Arbeiten mit den Hunden forderte von
uns Besitzern viel Konzentration und zum Teil körperlichen Einsatz.
"Dolce far niente" war auf dem Übungsgelände nicht
angesagt. Unsere Anstrengungen wurden jedoch dadurch belohnt, dass unsere
Hunde nicht nur Fortschritte machten, sondern auch viel Freude und Zufriedenheit
zeigten.
|
|
Ausflüge
Senj und Umgebung bieten zahlreiche Attraktionen. Oskar wandelte sich
vom anspruchsvollen Hundetrainer in einen bewanderten Reiseleiter um und
führte uns zu verschiedenen Sehenswürdigkeiten.
- Burg Nehaj
Nehaj, die Burg von Senj, wurde 1558 gebaut. Sie ist das Symbol des
erfolgreichen Widerstands der Uskoken gegen die Türken. Die Uskoken
waren Siedler aus dem Balkan, die vor den Türken geflohen waren.
Sie waren als Piraten gefürchtet.
Heute dient die Burg friedlichen Zwecken. Sie ist ein Uskoken-Museum
mit einem Restaurant. Nach der Besichtigung der Burg haben wir uns dann
auch im Innenhof eine Erfrischung gegönnt.
- Naturpark Velebit
Der Naturpark Sjeverni Velebit zeichnet sich durch eine reiche und verschiedenartige
Flora sowie durch prachtvolle und eindrückliche Karstgebiete aus.
Ein weiteres Merkmal des Parks sind die Bären, Wölfe und Luchse,
die dort leben.
Allzu gerne hätten wir auf unserem Streifzug über holprige
und staubige Schotterwege einen Bären oder ein Rudel Wölfe
erblickt. Gesehen haben wir, bei einem Glas Rotwein aus der Region,
nur einen nicht ganz echten Bären. Der wunderschöne Sonnenuntergang
über der Adria hat uns die Enttäuschung allerdings vergessen
lassen.
- Plitvicer Seen
Das Gebiet der Plitvicer Seen (Plitvi?ka Jezera) umfasst 16 Seen, die
durch Stromschnellen oder Wasserfälle miteinander verbunden sind.
Die bezaubernde Landschaft diente als Kulisse zum Winnetou-Film "Schatz
im Silbersee". Nirgends in Kroatien haben wir so viele Touristen
angetroffen wie bei den Plitvicer Seen. Dank Oskars guter Planung betraten
wir das Parkareal erst am späteren Nachmittag, als die meisten
Besucher sich bereits auf den Rückweg machten. So konnten wir die
Schönheit des Naturparks doch ziemlich ungestört geniessen.
- Insel Krk
Die Insel Krk ist die grösste kroatische Insel der Adria. Ihre
dem Festland zugekehrte Flanke ist kahl. Dieser Umstand wird der Bora,
dem vom Festland kommenden kalten Fallwind, der sich noch mit Salz anreichert,
zugeschrieben. Im übrigen Teil der Insel gedeiht eine mediterrane
Vegetation.
Wir fuhren zur Insel Krk nicht per Schiff, sondern mit dem Auto über
die Brücke, die bei Rijeka die Insel mit dem Festland verbindet.
Wir besuchten das Städtchen Krk. Es hinterliess bei uns den Eindruck
eines zwar schmucken, aber auf Tourismus getrimmten Küstenortes.
Diesen Eindruck verspürten wir übrigens auf der ganzen Insel.
Die Teilnahme an den
Ausflügen war freiwillig. Oskar war bewusst, dass nicht alle Hundebesitzer
auch geschichtliche, botanische, zoologische oder geographische Interessen
hatten. Auch liess er uns die Gelegenheit, uns nach dem anstrengenden
Hundetraining im Meer abzukühlen.
Was das Meer betrifft, heisst es, dass die Adria in Senj am kältesten
ist. Die Bora und die Meeresströmung sollen dafür verantwortlich
sein. Da wir während unseres Aufenthalts in Senj Temperaturen von
knapp 40°C hatten, war uns das "kalte" Meer gerade recht.
|