Anatolischer
Hirtenhund - Türkei - FCI-Gruppe 2.2.2
Einleitung
Der anatolische Hirtenhund gehört laut FCI-Rasseneinteilung
in die etwas irritierende Gruppe 2 der Pinscher und Schnauzer
(wie Dobermann resp. Riesenschnauzer), Molosser (wie die Deutsche
Dogge und der Rottweiler) oder Schweizer Sennenhunde (wie der
Appenzeller, Berner und Entlebucher Sennenhund). Aufgeführt
wird

der Anatolische Hirtenhund in Sektion 2.2 (wie der Neufundländer,
Hovawart, Leonberger oder der St. Bernhardinerhund). Damit ist
bereits ersichtlich, dass es sich hier um einen stolzen und selbstbewussten
Hund handelt, dem eine rassenspezifische Haltung und respektvolle
Erziehung gebührt. Es handelt sich also um einen Hund, der
nie in die Hand eines Anfängers oder Aufschneiders gehört,
zeichnet er sich doch durch ungeahnte Kräfte und ein selbstsicheres
Auftreten aus. Bei einer problematischen Haltung sind ernsthafte,
gar tödliche Konflikte a priori nicht auszuschliessen. In
richtigen Händen dagegen ist er DER SUPERHUND, der den echten
Hundeliebhaber nie mehr loslässt. Gehen wir also etwas mehr
auf diesen beeindruckenden Hund ein, dem seit kurzem meine ganze
Liebe gehört.
Die Hirtenhunde Anatoliens beschützen die Herden vor Wölfen
und Dieben weitgehend selbstständig. Die imposanten Hunde
wurden nach dem 2. Weltkrieg von Engländern und Amerikanern
mit nach Hause genommen und dort weiter gezüchtet. Sie sind
intelligent und freundlich in ihrer Familie und lernen schnell
die notwendigen Gehorsamsregeln, doch sie brauchen von klein an
konsequente, liebevolle Erziehung und frühe Gewöhnung
an fremde Hunde. Zu Fremden sind sie misstrauisch und sehr wachsam
mit ausgeprägtem Schutztrieb. Gegenüber Kindern sind
sie geduldige und zuverlässige Beschützer, eignen sich
aber nicht zum Spielen. Nein, sie wollen ihre Beschützerrolle
in Ruhe und totaler Übersicht wahrnehmen. Anatolische Hirtenhunde
werden bis zu 80 cm hoch, ihr Gewicht erreicht leicht 65 Kilogramm
und mehr. Alle Farben sind erlaubt und treten auf.
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Der Kangal, auch Karabash genannt, hat in der Türkei den Rang
eines anerkannten Rassenhundes (nicht aber nach FCI-Sprach-gebrauch!).
Er wird im Raum Sivas von Bauern und Militär als Wach- und Schutzhund
gezüchtet. Der Export aus der Türkei ist verboten, Gefängnisstrafen
und hohe Geldbussen drohen dem Erwischten! Dennoch wird er in einigen
türkischen Städten den Touristen zu einem Preis bis von
2'000 EURO angeboten (der Lokalpreis bewegt sich bei ca. 15 EURO!),
im Auto ausser Land geschmuggelt und landet bald todunglücklich
in einem Tierheim, weil der neue Besitzer total überfordert ist.
Man bedenke, dass ein Kangal ein Gebiet von bis zu 50 Quadtratkilometer
erfolgreich gegen Löwen, Bären oder Wölfe verteidigt!
Dabei siegt er immer! Dies, weil er nicht, wie bei Wölfen und
übrigen Caniden üblich, wild angreift, sondern offenbar
sich zuerst Gedanken macht, wie er der Gefahr entgegentreten soll.
Und er tötet blitzschnell und erbarmungslos! Der Kangal wird
gut 85 cm hoch, wiegt gute 60 Kilogramm, ist von beiger oder grauer
Farbe. Ein Muss ist die schwarze Maske. Ich habe besonders mit diesen
Hunden einige Erfahrungen sammeln können. Und ich liebe sie über
alles! Ein äusserst stolzer Hund für erfahrene Hundehalter
mit grossem, eingezäunten Garten und viel Zeit zum Spazieren,
denn der Kangal wandert gerne stundenlang - langsam, wachsam und majestätisch!
Der Hund wird seit einigen Jahren auch in Europa in geringen Stückzahlen
gezüchtet. Ich kenne die Namen von Züchtern in England (aktiv
seit den 60-iger Jahren), Deutschland, Belgien und Bosnien-Herzegowina
(BiH). In der Schweiz gibt es keine Züchter - meines Wissens
beschäftigt sich auch die SKG nicht explizit mit diesem Ausnahmehund.
Auch der elegante, grosse und weisse Hirtenhund Akbash wird neuerdings
in Europa gezüchtet. Man nennt ihn den Stammvater der weissen
Hirtenhunde, also auch des seit kurzem FCI-registrierten "Weisser
Schäferhund" (Berger Blanc Swiss), der auch wegen seiner
Gesundheit, Wesensstärke und hohen Sozialverträglichkeit
sich immer grösserer Beliebtheit erfreut. Der Akbash wird ebenfalls
bis zu 85 cm hoch, wiegt aber nur 55 Kilogramm. Man kennt hier Hunde
mit Lang- oder Stockhaar. Anatolische Hirtenhunde wurden in den Dreissiger
Jahren erstmals der US-Regierung übergeben, um grosse Rinderherden
zu beschützen. Sie haben sich in den vergangenen Jahrzehnten
verwildert und stark vermehrt, so dass sie - gemäss Schocke,
Seite 147 - heute vom Flugzeug, Helikopter oder Jeep aus mit Maschinengewehren
von staatlich autorisierten "Hobby-Jägern" niedergeschossen
werden dürfen - was mich einmal mehr über den "American
Way of Life" nachdenken lässt.
Die ernsthafte Zucht mit dem Karabash begann m. E. ausserhalb der
Türkei 1965 mit dem Export der Stammeltern GAZI und SABAHAT.
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