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Dr. Carlo Conti, Regierungsrat von Basel-Stadt, denkt laut über ein Verbot verschiedener Hunderassen nach... Hier ein Schreiben von Frau Singer-Bögli aus Läufelfingen/BL an ihn:

Sehr geehrter Herr Conti

Erlauben Sie mir als Baslerin, jetzt in BL wohnhaft, einige Denkanstösse in Bezug auf Ihre geplante Verschärfung des Hundegesetzes anzubringen:

Der tragische Vorfall in Oberglatt ist - wie inzwischen zweifelsfrei feststeht - ein krimineller Akt gewesen, welcher mit Hundehaltung nicht das Geringste zu tun hat. Die Behörden wussten zwar von den Hunden und davon, wie sie misshandelt und "gehalten" wurden, haben jedoch nichts dagegen unternommen. Schlussfolgerung für die Politiker ist wieder - einmal mehr - der Weg des geringsten Widerstands: man spricht Verbote aus, ohne sich die Frage zu stellen, wer letzten Endes das Versagen der Behörden auslöffeln muss: Seriöse Familien mit Kindern, die einen "solchen" Hund halten.

Wollen Sie wirklich die Verantwortung tragen für überfüllte Tierheime von abgegebenen Hunden der von Ihnen verbotenen Rassen, weil die Halter die Hunde nicht mehr behalten können, da sie von der Umwelt gemieden und verfolgt werden? Siehe Beispiel Zürich, wo Hundehalter Morddrohungen erhalten und ihre Hunde auf offener Strasse verprügelt werden, infolge Kennzeichnung der Hunde durch den obligatorischen Maulkorb. Sie sind sich doch sicher im Klaren, dass der Vorfall in Oberglatt auch bei einem entsprechenden Rassenverbot passiert wäre. (Haben Sie den Zischtigsclub gesehen?)

Stellen Sie sich vor, es passiert in Basel ein tragischer Unfall mit einem Hund einer Rasse, die nicht als "gefährlich" gilt und auch nicht verboten worden ist. Ich erinnere dabei an den Fall im Kanton Solothurn, wo ein Labrador (als der Familienhund schlechthin bezeichnet) einer Frau das halbe Gesicht wegbiss, sodass man ihr Mund und Nase transplantieren musste. Oder der tragische Fall, als ein französischer Hirtenhund (Briard) im Mai 2005 in Dänemark ein 8-jähriges Mädchen tot biss. Oder auch die Sache mit den zwei ausgebrochenen Schäferhunden im Elsass, die vor einem Jahr einen 51-jährigen Mann so zurichteten, dass er an Ort und Stelle verstarb. Weiter hat im August 05 in Köln ein Schäferhund einem kleinen Mädchen ins Gesicht gebissen, so dass es zeitlebens entstellt sein wird. Gesetzt der Fall, in Basel passiert etwas ähnliches - wie würden Sie Ihr Hunderassenverbot dann noch rechtfertigen können?

 







Ist es tatsächlich so, dass die Politiker sich von der primitivsten Zeitung der Schweiz diktieren lassen, was sie zu tun haben? Im übrigen wird ein Verbot des Pitbull-Terriers nicht möglich sein, da der Pitbull keine eingetragene Rasse ist sondern bei der SKG (Schweizerische Kynologische Gesellschaft, Dachverband der Hunderassen) als Mischling gilt. Mischlinge kann man jedoch nicht verbieten, weil man sie nicht klassieren kann. Die Forderung des Blick stösst schon deswegen ins Leere, was typisch ist für dieses lausige Sensationsblatt. In diesem Zusammenhang erinnere ich an die Hetzkampagne gegen Ex-Botschafter Thomas Borer: Durch konstruierte Lügen und Intrigen verlor er seinen Posten, weil auf der Etage der Firma Ringier das so beschlossen worden war!

Im Namen aller seriösen und anständigen Hundebesitzer bitte ich Sie inständig, Ihrer Entscheidung Besonnenheit und Objektivität zugrunde zu legen. Die Gutachten und Ausführungen vieler anerkannter Fachleute aus dem In- und Ausland: Dr. C. Pillonel, Dr. U. Horisberger, Dr. D. Turner, Dr. D. Feddersen-Petersen, Prof. Dr. Hackbarth, Dr. H. Eichelberg, Prof. Dr. Unshelm, Prof. Dr. I. Stur dürften Ihnen hier wertvolle Dienste leisten. Sie alle erklären einhellig: Es gibt keine gefährlichen Hunderassen, Wer einen scharfen Hund will, der wird ihn auch bekommen, mit oder ohne Rassenverbot. Rassenlisten und -Verbote richten nichts aus, getroffen werden die anständigen Leute und ihre unschuldigen Hunde.

Und noch etwas: Vor mehr als 60 Jahren hatten wir in Europa auch schon Rasselisten - damals waren es zwar keine Tiere. Aber auch hier steht hinter jedem gelisteten Hund ein Mensch, der dadurch diskriminiert wird, und zwar unschuldig!

In diesem Sinne bitte ich Sie nochmals dringend, Ihre Entscheidung zu überdenken und sich gegebenenfalls mit Fachleuten darüber zu unterhalten.

Mit freundlichen Grüssen

Ruth Singer-Bögli
Mattenweg 8
4448 Läufelfingen